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Dienstag, 07 Februar 2012
 
 
15.11.2005, Prof. Dr. Wolfgang Böhme, ZFMK, "Biodiversität im Bonner Stadtrandgebiet." PDF Drucken E-Mail

Herr Prof. Dr. Böhme, Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, ZFMK, Bonn, zeigte uns einen Dia-Vortrag über die Biodiversität im Bonner Stadtrandgebiet. Einen Überblick über die erstaunliche Vielfalt der bei uns vorkommenden Tierarten stellte er anhand von Beobachtungen auf seinem Grundstück vor.

Auf und über dem Hang wurden bisher ungefähr 64 Vogelarten gezählt, hierzu zählen Schwarzspecht, Schwanzmeise, Kernbeisser, Singdrossel, Mäusebussard und Kranich. Die Mollusken sind zahlreich vertreten. Es kriechen rote Wegschnecke, Schnegel, Weinbergschnecken über Wege und Flur. Schnecken verschießen Liebespfeile. Auf Macrofotos waren die artspezifisch geformten Liebespfeile einer Schnirkelschnecke festgehalten.

Die vielfältigen Formen der bisher gefundenen 67 Spinnentierarten wurden mit hervorragenden Fotos von Sechsaugenspinnen, Speispinnen und Labyrinthspinnen, dem Liebesleben der Trichterspinnen, den riesigen Trichternetzen der Tegenaria atrica, Höhlenspinnen und Gartenkreuzspinnen gezeigt. Wenn sich die Spinnen tagsüber in Verstecken aufhalten, und man nur die einen Meter messenden Netze sieht, hilft nur ein nächtlicher Streifzug, mit Taschenlampe bewaffnet, um dann vielleicht die Höckerkreuzspinne nachweisen zu können. Springspinnen, bizarr geformte Krabbenspinnen, listig mit eingepacktem Brautgeschenk werbende Listspinnen begegnen dem aufmerksamen Beobachter.

Eine große Auswahl verschiedener Insekten wurde entdeckt. Wasserläufer, Lederwanzen, Ameisenwanzen, Streifenwanzen, Blutzikaden und Heuschrecken wie u.a. Dornschrecken, Grashüpfer, Langfühlerschrecken und Baumkronen bewohnende Eichenschrecken setzen den Reigen fort.

Adonislibellen, Heidelibellen, Vierflecklibellen schwirren über Bonn. Spektakulär ist der Fund der am Annaberger Bach lebenden zweigestreiften Quelljungfern.

Farbenprächtig und vielgestaltig sind die Schmetterlinge. Wir sahen schöne Fotos von Schachbrettfalter, Schornsteinfegerfalter, Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge und Aurorafalter.

Die Formenvielfalt der Käfer reicht vom Feldsandlaufkäfer, Lederlaufkäfer der Gattung Carabus, Haselnussbohrer, 22 Punkt-Marienkäfer, Bockkäfer über den Pinselkäfer, der sich mit einem Hinterleib schützt, der dem einer Wespe auffällig ähnelt, bis hin zum Hirschkäfer.

Im Bild festgehalten sind Schlupfwespen, die ihre Eier mit ihrer Legeröhre durch das Holz in darin sitzende Larven injizierten, Goldwespen, Lehmwespen und Feldwespen. 50 verschiedene Wildbienenarten sind nachgewiesen. Sandbienen, Hummeln, verschiedene Fliegenarten, Hummelschweber und Narzissenfliegen schwirren über den Garten und sind natürlich nicht ganz so einfach auf Fotos festzuhalten. Umso erstaunlicher sind die guten Fotos von so vielfältigen Insekten, welche wir mit Informationen zu ihrer Biologie gezeigt bekamen.

Zum guten Abschluß sahen wir auch noch "richtige Tiere" wie Fadenmolche, Teichmolche mit ihren fleckigen, Bergmolche mit ihren einfarbigen Bäuchen, Feuersalamander mit ihren gelben Ansatzstellen der Beine. Die Erkenntnis, dass jeder Feuersalamander ein anderes Fleckenmuster hat, konnte auf Vergleichfotos gut nachvollzogen werden. Im Jahresverlauf suchen Erdkröten, Grasfrösche mit ihrer pigmentierten Unterseite, die im Kottenforst isoliert vorkommenden Springfrösche mit ihrer weißen Unterseiten und spitzen Köpfen die Umgebung auf.

Die Reptilien sind durch Waldeidechsen, Blindschleichen und bis zu 2 m langen Ringelnattern vertreten.

So entließ uns Prof. Wolfgang Böhme in unsere Gärten mit dem Wissen, dass es nicht nötig ist in ferne Welten zu reisen um etwas Neues entdecken zu können. Vielmehr offenbart der Blick auf den Boden, in die Wiesen, Sträucher und Bäume Bonns und der nahen Umgebung vielfältiges Leben und man entdeckt interessante Lebensweisen von Insekten und anderen Kleinlebewesen. Der Blick für die Details ist geschärft, nach diesem hervorragenden Vortrag, für den wir uns hier nochmals ganz herzlich bei Prof. Böhme bedanken.

Bericht von: Hans-Jürgen Esser

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13 Januar 2008 )
 
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