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Dienstag, 07 Februar 2012
 
 
21.03.2006, Georg Vogel, "Flora und Fauna des Neusiedler Sees." PDF Drucken E-Mail
 

Am 21. März hatten wir unser Ehrenmitglied Georg Vogel aus dem Schwarzwald mit seinem Vortrag über „Flora und Fauna des Neusiedler Sees" zu Gast.

Auf regelmäßigen mehrwöchigen Reisen in diese Gegend, ausgerüstet mit einer leistungsfähigen Fotoausrüstung, lernte Georg Vogel nicht nur Land, sondern auch die Leute kennen und berichtete mit eindrucksvollen Dias über Wissenswertes aus dem Burgenland: Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas. Er liegt mit seinem allergrößten Teil im östlichsten und gleichzeitig wärmsten Bereich Österreichs. Ein kleiner Teil im Südwesten gehört zu Ungarn. Der See selbst ist 36 km lang und zwischen 7 und 12 km breit. Die Durchschnittstiefe liegt heute bei ca. 1 m.

Nur ein wasserarmer Bach, die Wulka, mündet in den See; ein natürlicher Abfluss fehlt. Mit dem Seewinkel, der im Osten des Sees gelegenen Landschaft mit ihren vielen kleinen salzhaltigen Laken, betritt man bereits die weite ungarische Puszta, das für den Herpetologen und Botaniker interessanteste Gebiet. Die Trockenrasenflächen lassen seltene Orchideen gedeihen. Auf den Salzböden wachsen diverse Pflanzen, die hier ihr westlichstes Verbreitungsgebiet haben. Im See kommen vier submerse Wasserpflanzen vor, Potamogeton natans, Myriophyllum spicatum, Utricularia vulgaris und Najas marina.

Berühmt und weltbekannt wurde das Gebiet allerdings durch seine überreiche Vogelwelt. In den Lakengebieten brüten neben vielen anderen Arten Kibitz und Rotschenkel, die seltenen Säbelschnäbler, Seeregenpfeifer, Lachmöven und Flußseeschwalben. Im Bereich östlich des Ortes Andau, bereits auf der ungarischen Seite, findet man die stark im Rückgang befindliche Großtrappe (Otis tetrax). Im an das Seeufer anschließenden bis mehrere Kilometer breiten Schilfgürtel brüten u.a. Silber-, Purpur- und Graureiher.

Der größte Greifvogel im „Rohrwald" ist die Rohrweihe. Kleinvögel wie Teich und Drosselrohrsänger sind hier häufig.

In den Lößhängen zur Parndorfer Platte im Osten brüten die Bienenfresser, die jedes Jahr aus Afrika zurückkehren und sich hauptsächlich von größeren Kerbtieren ernähren. An Reptilien hervorzuheben sind Äsculapnatter und Smaragdeidechse, mehr an den Hängen des Leithagebirges westlich des Sees vorkommend, und an Amphibien die Wechselkröte, Rotbauchunke, Knoblauchkröte sowie der Laubfrosch. Leider sind alle rezenten Arten aufgrund anthropogener Einwirkung stark im Rückgang begriffen.

Die einzige Viper, die für den Menschen ungefährliche Wiesenotter (Vipera ursinii) gilt bereits als ausgestorben. Auch die Wirbellosen sind vom Rückgang betroffen, und so zählen Gottesanbeterin, Rosenkäfer, Seidenkreuzspinne oder die Tarantel (Albbagno singoriensis) zu den Raritäten für den Fotografen.
Interessant für die Aquarianer in unseren Reihen ist die Meldung, dass der Ungarische Hundsfisch (Umbra kramen) im Gebiet ausgesetzt werden soll.
Regelmäßig kann man Herden von Ungarischen Steppenrindern sehen, die die natürliche Sukzession verhindern und den Steppencharakter erhalten sollen.

Bei seinen Aktivitäten rund um den See lernt der Besucher das ungarische Sopron (die ehemalige Hauptstadt des Burgenlandes Ödenburg} mit sehenswerten Kirchen, alten Gassen und Häusern kennen. Die am Westufer gelegene Stadt Rust ist berühmt wegen seiner Weine: in Mörbisch, dem am Westufer südlichsten Ort. finden alljährlich im Spätsommer die beliebten Seefestspiele' statt. Nicht zuletzt sei Neusiedl genannt, das dem See seinen Namen gab, und in dem heute das Banken- und Geschäftsleben stattfindet. Über vielen Hausdächern jedoch sieht man das Wahrzeichen des Burgenlandes, die auf Wagenrädern erbauten Storchennester, die auch heute noch regelmäßig bewohnt werden.

Bevor man die Heimreise antritt, es sind immerhin knapp 1000 km bis Bonn, sollte man unbedingt bei einer Weinprobe die köstlichen Weine der Region, angefangen vom trockenen Grünen Veltliner  bis zum edelsüßen Eiswein , verkostet und evtl. erworben haben. Hierzu muss man wissen, dass der Eiswein bei genau festgelegten Minusgraden gelesen wird, dann, wenn bei zugefrorenem See auch die „Schilfernte" stattfindet.

Wir danken unserem Referenten Georg Vogel für seine informativen Ausführungen. die nur ein Liebhaber des besagten Gebietes so treffend und eindrucksvoll vermitteln kann.

Bericht: Mathias Kneller

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13 Januar 2008 )
 
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