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Hans-Jürgen Esser berichtete über seinen Besuch des botanischen Gartens Kew in Richmond, in der Nähe von London. Seine diesjährige Seereise nach London hatte einen der Höhepunkte mit der Entdeckung dieses abwechslungsreichen Gartens mit seinen zahlreichen Glashäusern und Ihren unterschiedlichen Pflanzengesellschaften sowie den ausgedehnten Freilandanpflanzungen.
Die Royal Botanic Gardens, Kew, sind auf einer Fläche von 120 Hektar angelegt. Er ist der Garten mit der größten Artenvielfalt der Welt und Weltkulturerbe.
Viel Zeit braucht der Besucher für das „Princess of Wales Conservatory“, einer Gewächshaus- landschaft, die durch 10 klimatische Zonen führt. Die Pflanzen- gemeinschaften werden in aneinandergrenzenden Glashäusern unter einem riesigen Dach dargestellt. Es geht durch Kakteenlandschaften mit Agaven, Yuccas, blühenden Oputien, Kugel- und Säulenkakteen, Steppenlandschaften mit anderen Succulenten auf üppig bepflanzten Pflanztischen und Bodenbeeten mit riesigen Ausmaßen und tropische Regenwaldzonen. Hier stehen auch die imposanten Pflanzen des Titanenwurz, Amorphophallus titanum aus Sumatra mit ihrem bis zu 6 m hohen Blatt. Der Titanenwurz erzeugt und geniest hier in London mit seinen bis zu 3 m hohen und 1,50 m breiten Blütenständen ähnlich hohe Aufmerksamkeit wie bei uns im botanischen Garten in Bonn.
Pflanzengesellschaften des Moores mit seinen Moosen und fleischfressende (karnivore) Pflanzen wie Drosera spec., Dionaea spec. und üppigen Sarracenia begeisterten mich. Seenlandschaften gewähren durch große Seitenscheiben einen Einblick von unten auf die im Becken schwimmenden Fischschwärme, und von oben auf das üppige Grün der Seerosen, Nymphaea spec., Lotusblumen, Nelumbo nucifera und der zahlreichen anderen Wasser- und Sumpfpflanzen.
Das Palmenhaus, in dem ein tropischer Regenwald nachgebildet wird, in welchem 70% der Palmenarten vorkommen, ist von imposanter Größe. Eine Besonderheit ist der umlaufende Steg im oberen Teil des Daches, das man über reich verzierte, schmiedeeiserne Spindeltreppen erreicht. Bemerkenswert ist die architektonische Filgranität der historischen Glashauskonstruktion. Von hier oben hat man einen außergewöhnlichen Blick über die Baumkronen. Im Untergeschoss befindet sich das Marine Display mit einem Einblick in die verschiedenen Biotope der Nordseeküste mit z.B. Nachbildungen der Lebensgemeinschaft der Brandungszone. Im Seerosenhaus mit einer großen Vielfalt verschiederer Seerosen der Gattung Nymphaea spec. und ihren Blüten in den unterschiedlichsten Farben, verkörpert Victoria amazonica durch die riesigen Blätter das imposante Wachstum schlechthin. Die Felsengärten, „Rock Garden“, sind durchzogen von kleinen Bächen. An deren Ränder stehen Froschlöffel, Alisma plantago-aquatica, rosa blühendes Mädesüß, Filipendula, Kalla und viele andere Sumpfpflanzen. Muster-Gemüsegärten, „Student Vegetable Plots“, werden von Studenten als Semesterarbeit angelegt und gepflegt. Die auch grafisch schönen, sehr unterschiedlichen Einzelflächen lohnen einen Abstecher dorthin. Interessant, farbenfroh und optisch schön angelegt sind die „Order Beds“, die im 19 ten Jahrhundert von Sir Josef Hooker angelegt wurden, um die familiären Verbindungen der Familien und Arten untereinander zu zeigen.
In „Duke´s Garden“ laden herrliche Staudenbeete mit Blüten- pflanzen zum Verweilen ein.
In den Grasgärten stehen schöne Gräser mit unterschiedlichsten Farben und Formen, die sich im Wind wiegen. In einer schönen Anlage mit mehreren Teichen und Sumpfwiesen mit blühenden Kräutern, wachsen Schwanenblume, Butomus umbellatus, Hechtkraut, Pontederia cordata, Seerosen, Nymphaea spec. , Teichrose, Nuphar luteum und vieles mehr.
Ein Highlight ist der Garten der Sinne. Zuerst wird die Erwartung der Besucher erfüllt, dass der Sehsinn mit sehr kontrastreich Pflanzungen angesprochen wird, so dass die optische Wahrnehmung der interessanten Einzelpfanzen noch überboten wird. Darüber hinaus sollen aber auch einmal die Augen geschlossen werden, so dass man den angenehmen Duft der unterschiedlichen Pflanzen und deren Blüten wahrnimmt, außerdem spricht das Rauschen der Blätter z.B. des Bambushains den Gehörsinn an. Im Bambusgarten begeisterte ihn als Bambusliebhaber natürlich die unterschiedlichen Wuchsformen, von streng gerade über buschig bis ausladend überhängend wachsend sowie die Formen und Farben der Halme und Blätter. Hier in London sind viele Pflanzenarten frei ausgepflanzt, die bei uns nicht frostresistent sind. Diese können wir im Norden Europas nur durch den Einfluß des Golfstroms bewundern. Viele Arten und Formen kommen ansonsten nur südlich der Alpen vor. Die Artenvielfalt der Baumpflanzungen lässt sich nur an einem gesonderten Tag erwandern. Ich glaube sogar, dass der Besucher hierfür eine Jahreskarte kaufen sollte. Es ist überwältigend. Im mediteranen Garten steht „King William´s Temple“ malerisch auf einem Hügel, umgeben von einer artenreichen, blühenden und nach reichlich Süden duftenden Pflanzenvielfalt. Ein Kleinod ist der Japanische Garten, in dessen Mitte auf einem kleinen Hügel ein Tempel tront. Weitere Bilder finden Sie in unserer Gallerie unter der Rubrik "Kew Gardens" Bericht und Fotos von: Hans-Jürgen Esser |