Biologische Gesellschaft der Aquarien- und Terrarienfreunde Bonn gegr. 1956 e.V.  
Home arrow Veranstaltungsberichte arrow Veranstaltungshistorie - 2004 arrow 16.11.2004, Prof. Dr. Wolfgang Böhme, ZFMK, "Bernstein und seine Einschlüsse."
Dienstag, 07 Februar 2012
 
 
16.11.2004, Prof. Dr. Wolfgang Böhme, ZFMK, "Bernstein und seine Einschlüsse." PDF Drucken E-Mail

Im November hatten wir Herrn Prof. Dr. Böhme, Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig, ZFMK, Bonn, als Vortragenden zu Gast. Zu Beginn seines Vortrages zeigte er uns Bilder vom Bernsteinzimmer und erläuterte, dass Bernstein in einigen Gebieten der Erde konzentriert vorkommt. Der bekannteste Bernstein ist der baltische, der im Bernsteintagebau bei Yantarnyj (Palmnicken) aus Schichten blauer Erde abgebaut wird.

Bernstein ist aus schnell fließenden, erhärtenden Baumharzen entstanden, die in ihrem Fluß kleine Insekten, Spinnentiere, Frösche und Eidechsen einschlossen. Einschlüssen von Wirbeltieren im Bernstein gehören zu den Seltenheiten, die Harztropfen waren nur selten groß genug um ganze Tiere einzuschließen. Die Geckos klebten mit ihrer Haut am klebrigen Baumharz fest und konnten sich, wenn sie Glück hatten, durch Schreckhäutung retten, so dass zum Teil nur die Teile eingeschlossen wurden, die kleben blieben.

Die erste komplette Eidechse wurde 1874 gefunden und lag in der Uni in Königsberg. Später wurde sie im Harz in einem Stollen wiedergefunden. Sie befindet sich jetzt im Fundus der Uni Göttingen. Aufgrund von historischen Zeichnungen, die in Königsberg angefertigt wurden, konnte der Göttinger Bernstein eindeutig identifiziert werden, was auf den gezeigten Fotos gut zu erkennen war.

Erst 100 Jahre später wurde eine komplette 2. Eidechse gefunden. Die 3. Eidechse, eine baltische, entdeckte man bei Danzig. Insgesamt fand man bisher nur rund ein Duzend fossile Bernsteingeckos.
Einige der fossilen Arten sind den noch heute lebenden Geckos z.B. Geckolepes sehr ähnlich.
Der Kugelfinger-Gecko ist eine neue Fossilie. Prof. Böhmes Überredungskunst ist es zu verdanken, dass das Museum König einen Stein kostenfrei bekam, der eigentlich für ein Museum unbezahlbar war. Der darin eingeschlossene Gecko ist heute als Sphaerodactylus dommeli (Gekkonidae, Sauria) BÖHME 1984 beschrieben.

Mit eindrucksvollen Bilder und Beschreibungen zeigte er uns Impressionen der Reise entlang der Ostsee durch Königsberg-Yantarnyj-die kurische Nehrung-Litauen-Lettland-Estland-die schöne Stadt Talin- nach St.Petersburg, dem Venedig des Nordens. Zurück ging es via Finnland-Stockholm-die neue Brücke über den Belt nach Dänemark- nach Kiel.
Nach der Reise wurde eine der ältesten Eidechsen aus dem Baltikum gefunden. Demnächst wird über Gekko balticus in England eine Abhandlung herausgegeben.

Wir danken Prof. Dr. Böhme für den äußerst informativen und wie immer spannenden Vortrag mit eindrucksvollen Bildern fossiler Kleinlebewesen und beinahe lebendig erscheinder fossiler Wirbeltiere.

Bericht von: Hans-Jürgen Esser

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 13 Januar 2008 )
 
< zurück   weiter >
 
Top! Top!